„Letztlich geht es nur um Geld.“ #umdenkbar

Aktualisiert: Nov 12




In vielen, ja sogar in den meisten Unternehmen geht es letztlich nur noch um Geld. Und genau da liegt vielleicht das größte Problem all der Unternehmen, die den Fokus nur auf Kosten und Ertrag legen. Shareholder Value, ROI und andere Kennzahlen bilden den Mittelpunkt des ganzen Handelns. Es werden immer höhere Gewinne und Kostenreduzierungen in allen Bereichen geplant. Und von den ganzen GuV und bilanzkosmetischen Maßnahmen, die das dann schon im Zweifel richten werden, sehen wir hier einmal ab.


Wie viel Zeit verbringen wir in den Unternehmen mit dem Planen und Kontrollieren von Ergebnissen, also dem was eigentlich das Resultat unseres Handelns sein soll. Und bei all diesem „erfolgreichem Management“ wird jede Menge Kreativität für neue „Managementmethoden“ wie z.B. Lean Management, Management by Objectives, Outsourcing, ITIL, InSourcing, Agiles Management und vieles mehr freigesetzt. Heute das und morgen das. Und wie viele gute Ansätze und Ideen verwandeln wir einfach wieder in eine Managementmethode. Und wie viele dieser Ansätze scheitern dann doch? Egal, so oder so ähnlich haben wir es im BWL Studium gelernt. Schon die technokratichen Beschreibungen eines Unternehmens, lassen da ja fast gar keine andere Möglichkeit der Betrachtung mehr zu, oder?


Und wo ist nun das Problem? Lass uns da doch noch einmal etwas genauer hinschauen. Wie ist denn das mit dem kontinuierlichen Wachstum? Wie sieht es denn auf dem Arbeitsmarkt aus — Stichwort Fachkräftemangel? Wie ist es um echte Innovationen bestellt? Wo kommt es denn noch her? Ach ja richtig, auch da finden sich dann ganz neue kreative Lösungen. Wir müssen dem Kind nur einen anderen Namen geben, dann ist es ja ein anderes, ein neues. Also lasst uns beginnen mit New Work, Unternehmen 4.0 (oder sind wir schon weiter in der Namensgebung?), Employer Branding (unglaublich toller Ansatz der Namensgebung nach, lasst uns ihnen ein Brandzeichen aufdrücken) und, und und. Aber bitte immer mit der Erwartung, dass uns die Menschen auch dankbar dafür sind.

Wir verfolgen neue Ansätze mit der gleichen Kultur, mit dem gleichen Denken und folglich auch mit dem gleichen Handeln. Was hat Benjamin Franklin noch gleich dazu gesagt? „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“


Doch da war einmal etwas anderes. Zu Beginn des Unternehmens. Die ersten Jahre, vielleicht sogar die ersten Jahrzehnte. Ging es nicht einmal darum etwas Besonderes zu schaffen? Menschen in irgendeiner Form etwas zu geben, was sie brauchen, was sie vielleicht zu schätzen wissen, was ihnen dienlich ist? Gab es da nicht einen tieferen Sinn, warum das Unternehmen gegründet wurde? Wollten wir nicht aus einer gewissen Leidenschaft, einer Begeisterung etwas schaffen, was das leistet? Wo ist das geblieben? Und wie engagiert waren damals die Menschen noch, die daran mitgearbeitet haben? Die Menschen, die die Idee dahinter gesehen haben und begeistert davon gewesen sind. Die Menschen, die ihren Beitrag dazu leisten wollten. Welchen Einsatz haben sie gebracht, was haben die alles mitgemacht?


Heute geht es letztlich nur noch um Geld und gleichzeitig suchen wir nach tollen neuen Ideen, wie wir das umschreiben. Vielleicht können wir noch Menschen anlocken, die etwas mehr dabei sind, denn ansonsten können wir uns hinsetzen und sagen: sie kommen doch nur alle des Geldes wegen, sind undankbar und wollen immer mehr.


Doch worum geht es uns in der Geschäftsführung denn persönlich? Geht es uns da nicht letztlich auch nur um Geld? Geht es uns nicht darum, wie viel wir persönlich verdienen und wie toll wir sind? Mal ehrlich, sind die Unternehmen für die wir arbeiten,

nicht einfach austauschbar? Wieviel Leidenschaft und Begeisterung für die eigentliche Sache ist denn in uns und wie wollen wir sie dann vermitteln?


Jetzt höre ich Deine Stimme, die mit einem Verziehen des Mundwinkels und dem Verdrehen der Augen sagt: „Was für ein Blödsinn und was erdreistet sich dieser Typ. Ist doch alles Schwachsinn und außerdem muss das ja auch alles bezahlt werden.“ Stimmt. Doch nun war schon zweimal das Wort „Sinn“ in Deinen Aussagen ;-)

Stell Dir einmal für einen kurzen Moment folgendes vor. Da gibt es etwas, für was Du so richtig brennst, was Du voller Leidenschaft machst, was Du mit Freude tust und wo Du das Gefühl hast, dass Du einen wertvollen Beitrag zu etwas leistest, was über Dich selbst hinausgeht. Und Du stellst Dir vor, wie Du andere Menschen mit Deiner Begeisterung ebenfalls dafür begeistern kannst. Menschen, die Dir helfen das umzusetzen - Deine Mitarbeiter. Deine Freude, Dein Enthusiasmus, Deine Leidenschaft sind ansteckend. Gemeinsam schafft ihr etwas, was für andere Menschen, privat oder geschäftlich, von einem „hohen“ Wert ist, weil sie es brauchen, weil es sie weiterbringt - Menschen, die eure Kunden sind oder werden wollen.


Vielleicht kannst Du Dir vorstellen, welchen Erfolg ihr haben werdet, weil ihr gemeinsam den Sinn in dem seht, was ihr tut und ihr es gemeinsam umsetzt? Darauf fokussiert ihr euch. Das ist es, was euch weiterbringt, das ist es, was euren Kunden einen Mehrwert gibt. Ihr nehmt diese Menschen ernst und setzt euch damit auseinander, was sie vielleicht morgen oder übermorgen brauchen. Ihr bezieht sie mit ein und vielleicht entsteht dadurch echtes Vertrauen und mit der Zeit so etwas wie ein Miteinander und Loyalität.


Und stell Dir vor, dass ihr plötzlich mehr verdient, weil ihr einen wirklichen Mehrwert liefert. Ach ja, vielleicht liegt das daran, dass ihr euch dann viel mehr auf das fokussiert habt, wofür ihr es tut als auf das Erstellen von Planzahlen, das Gestalten von Ergebnissen und das Reduzieren von Kosten. Was kann in der Zeit alles geschaffen werden? Und vielleicht ist Dir bereits aufgefallen, dass das für Deine Mitarbeiter ein ganz anderes arbeiten sein wird, weil sie einen Sinn in dem sehen, was sie tun. Weil sie so gestalten können und weil sie sich ganz anders einbringen können. Sie arbeiten gemeinsam mit Dir. So bekommen sie nicht einfach nur Geld für Zeit, sondern wissen, dass sie einen Wert haben. Das ist wirkliche Wertschätzung und eine bessere Möglichkeit, um Mitarbeiter zu gewinnen, weiterzuentwickeln und zu behalten als sie zu brandzeichnen ;-) (Employer Branding). Begeisterung ist nur möglich, wenn wir sie mit unserer eigenen Begeisterung „anstecken“ können. Wenn wir ehrlich und offen sind, wenn wir ihnen vertrauen, wenn wir sie wirklich wertschätzen, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, selbstautonom zu handeln, so wie wir es als erwachsene Menschen eben wollen. Und wenn wir ihnen einen Sinn geben für ihr tun…. Vielleicht entdecken wir dann Potenziale in diesen Menschen, die zuvor niemand gesehen hat, weil sie gut versteckt gewesen sind.


Wenn wir umdenken, was wird alles möglich sein? Stell Dir für einen Moment vor, dass diese ganzen „Businessromantiker“ wie Laloux, Sinek, Richard Branson, Götz Werner, ich und viele andere tatsächlich recht haben und viel mehr möglich ist als Du Dir jetzt vorstellen kannst. Es hilft, wenn wir umdenken und vielleicht erreichen wir von diesem „Geld“ mehr, als wenn es letztlich nur darum geht.


Jeder kann nun für sich darüber urteilen. Und wie viel leichter ist es dann doch sich darüber auszutauschen, darüber zu sprechen und andere Perspektiven einzunehmen, bevor wir ein Urteil treffen.


Und wie denkst Du darüber? Nimmst Du jetzt Deine eigene „Wahrheit“, oder wollen wir gemeinsam darüber offen und ehrlich sprechen und und neue Perspektiven einnehmen? Etwas umdenken und beginnen anders zu handeln.



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